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Der MI TRIBU-Buchclub

Aktualisiert: 10. Dez. 2022

Wie aus einer ambitionierten Idee eine schöne Gelegenheit für nachhaltige Deutschlern-erfahrungen wurde



Die Idee, einen Buchclub für MI TRIBU anzubieten, hatte ich schon seit Langem. Es ist ganz einfach effizient, beim Sprachenlernen das Lesen, Sprechen, Schreiben (in Form von schriftlichen Reflexionen zum Buch) und Hören zu verbinden. Noch nachhaltiger wird der Lernprozess, wenn man sich regelmäßig in angenehmer Atmosphäre mit anderen Lesern über die Gedanken zum Buch austauschen kann. Das schafft positive Emotionen und verstärkt die Motivation zur Auseinandersetzung mit der Sprache, was wiederum die besten Voraussetzungen sind, um schnell und dauerhaft die Sprachkompetenz auszubauen.


Wenn das behandelte Buch für einen dann auch noch inhaltlich wertvoll und sprachlich ansprechend ist, der Austausch mit den anderen inspirierend ist und der Sprachlernprozess professionell unterstützt wird, ist eine wunderbare Lern- und Entwicklungserfahrung nur noch eine logische Konsequenz. Und Erfahrungen sind nunmal um einiges effizienter als rein kognitiver Wissenserwerb. In der Theorie war ich von meiner Idee, einen Buchclub zu konzipieren, der all das bieten würde, also schon eine Weile total überzeugt.


Das Buch, das meine Idee in die Realisierung schubste


Allerdings habe ich immer sehr viele Ideen, aber es gibt eben auch immer unzählige große und kleine Projekte, die bei mir gerade im Gange sind. Deswegen rutschte die Idee des Buchclubs (in bester Gesellschaft einer Menge anderer Ideen) irgendwie immer nach hinten. Aber dann bin ich auf das Buch "50 Sätze, die das Leben leichter machen. Ein Kompass für mehr innere Souveränität" von Karin Kuschik und schon nach den ersten Seiten war mir klar, dass die Zeit gekommen war, meine Idee von Buchclub zu realisieren.


Was könnte perfekter für einen Buchclub geeignet sein, als ein Buch mit kurzen Kapiteln voller Weisheiten, die in einer alltagstauglichen Sprache verfasst sind - ein Buch voller wirkmächtiger Sätze, die einfach und pragmatisch anwendbar sind und das auch noch als wunderbar gelesenes Hörbuch erhältlich ist, sodass man auch noch die Verknüpfung mit der richtigen Aussprache herstellen und das Hörverständnis trainieren kann? Und dann handelt es auch noch um ein Buch, dessen Themen sich ganz hervorragend dafür eignen, sich über kulturelle Unterschiede auszutauschen und so interkulturelle Kompetenzen zu begünstigen.


Meine Begeisterung für dieses Buch bewirkte schließlich, dass meine Buchclubidee ganz plötzlich in den oberen Bereich meiner Prioritätenliste katapultiert wurde. Mit dem Ergebnis, dass es MI TRIBU seit November 2022 nun auch das Format des Buchclubs anbietet.


Das Erfolgsrezept: "Das Nützliche mit dem Schönen verbinden"


Schon der erste Durchlauf des Buchclubs hat gezeigt, dass dieses Format tatsächlich ganz wunderbar geeignet ist, um sich voller Freude mit einem deutschen Buch auseinanderzusetzen und quasi als angenehmen Nebeneffekt die Sprach- und Kulturkompetenzen auszubauen. Mein Plan, in diesem Format alle vier Lernsäulen - Lesen, Schreiben, Hören und Sprechen - gleichermaßen zu trainieren, hat also den Realitätscheck bestanden.


Alle Teilnehmerinnen fanden, dass sie sehr davon profitiert haben, auf diese Weise bei ihrer Lektüre begleitet zu werden. Nicht nur ihre Motivation, ein Buch auf Deutsch zu lesen, wurde so gesteigert. Sie haben es auch als sehr hilfreich empfunden, bei unseren wöchentlichen Treffen immer die Textstellen klären zu können, bei denen sie Verständnisschwierigkeiten hatten. Denn wie wir wohl alle schon erlebt haben, ist es selbst mit den besten Online-Übersetzungstools schwierig, alles zu verstehen. Gerade bei Begriffen oder Formulierungen mit mehreren Übersetzungsoptionen oder bei denen man Kontextwissen braucht, war es bei unseren Treffen sehr hilfreich, dass ich immer auf die spanische Sprache zurückgreifen konnte, um Unklarheiten aufzulösen.


Auch bei der Klärung von Grammatikfragen, die aufgekommen sind, ist deutlich geworden, dass es den Verständnis- und Lernprozess schneller und leichter gemacht hat, dass ich bei Bedarf auch immer etwas auf Spanisch erklären konnte. Den gleichen Effekt hat auch meine komparatistische Perspektive auf die deutsche und spanische Sprache, weil ich so einige Knoten platzen lassen konnte, indem ich erklärt habe, dass bestimmte Probleme darauf zurückzuführen sind, dass unbewusst Muster aus der Muttersprache auf das Deutsche übertragen werden. Einige Grammatik- und Lexikprobleme konnten wir so lösen, vor allem aber Aussprachefehler bearbeiten, deren Korrektur wir uns am Ende jedes Treffens anhand der Wörter widmen, bei denen mir während unseres Gesprächs Verbesserungsbedarf aufgefallen ist.


Vom Verfassen eigener Texte in einem Buchclub


Als sehr bereichernd wurde auch wahrgenommen, dass ich zu jedem Kapitel schriftliche Reflexionsfragen gestellt habe, zu denen unter der Woche Texte verfasst werden konnten. So gab es jede Woche einen Anlass, einen kleinen Text auf Deutsch zu einem Thema zu verfassen, das mit einem selbst zu tun hatte.


Der Vorteil am Schreiben in einer Fremdsprache ist, dass man dabei oft am besten merkt, welche Wörter und Ausdrücke man gerne auf Deutsch können möchte und dass man sie dann auch gleich heraussuchen kann. Wenn wir sprechen, umschreiben wir die uns fehlenden Wörter in der Regel und vergessen später dann, dass wir sie eigentlich gerne nachschlagen und lernen wollen.


Wie ich aus meinem Hispanistikstudium noch selbst in bester Erinnerung habe, lernt man außerdem unglaublich viel dabei, wenn man die eigenen Texte korrigiert bekommt. Deswegen habe ich mir jede Woche viel Zeit genommen, um die Texte der Buchclub-Teilnehmerinnen zu korrigieren und mit Erklärungen und Anmerkungen zu versehen. So konnte ich dabei helfen, mehr Bewusstsein dafür zu schaffen, welche konkreten sprachlichen Schwachstellen jede noch hatte und was sie bei künftigen Texten noch besser machen kann.


Wie es mit dem Buchclub weitergeht


Karin Kuschiks "50 Sätze, die das Leben leichter machen" war für das Pilotprojekt des Buchclubs nicht nur inhaltlich und sprachlich ein wirklich bestens geeignetes Buch, sondern hat durch die kurzen und in sich geschlossenen Kapitel (wir haben in jeder Woche immer nur eins der 6- bis 8-seitigen Kapitel behandelt) auch gezeigt, dass genau dieser Umfang realistisch mit dem Alltag der Teilnehmerinnen, die alle Jobs haben und/oder Mamas sind, kompatibel ist.


Das werde ich auf jeden Fall berücksichtigen, wenn ich in der Zukunft andere Bücher für den Buchclub auswähle. Infrage kommen natürlich nur Bücher, die ich für besonders bereichernd und angenehm zu lesen finde. Denn nur so lässt sich "das Nützliche", also das Erweitern der Sprach- und interkulturellen Kompetenz, mit dem Schönen verbinden.


Da wir bei der ersten Runde nur 5 Kapitel von Karin Kuschiks Buch behandeln konnten und das Buch noch 45 weitere Kostbarkeiten bereithält, werde ich aber mindestens den nächsten Buchclub noch einmal dem Buch "50 Sätze, die das Leben leichter machen" widmen. Es ist einfach inhaltlich und linguistisch so wertvoll und bereichernd und ermöglicht so einen inspirierenden Austausch mit anderen, dass ich das noch ein bisschen mehr zusammen mit der nächsten Teilnehmergruppe genießen möchte.



Wenn es irgendein Buch auf Deutsch gibt, das du gerne im Rahmen des Buchclubs lesen möchtest, schreib es mir sehr gerne in die Kommentare!

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