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Warum ich Geld zum Thema in MI TRIBU machen möchte



Manchmal frage ich mich, ob meine finanziellen Kompetenzen heute immer noch auf Grundschulniveau wären, wenn ich 2019 nicht MI TRIBU gegründet hätte. Mein Finanzwissen war zwar theoretisch durchaus schon eine Weile auf Hochschulniveau. Ich hatte ja sogar ein Universitätsdiplom in Betriebs- und Volkswirtschaftslehre. Aber ich war wohl lediglich ein “Wissensriese” geworden, der gleichzeitig ein “Umsetzungszwerg” geblieben war, wie Karin Kuschik so schön sagt; ich habe das Wissen nicht wirklich auf mein Leben angewendet.


Heute weiß ich, dass das an meinen Gedanken und Gefühlen zum Thema Geld lag, die ich seit meiner Kindheit hatte, ohne dass sie mir bewusst waren. Das hat sich erst in dem Moment geändert, in dem ich entscheiden musste, ob MI TRIBU für mich ein teures zeitintensives Hobby bleiben konnte. Wenn ich nicht so klar gehabt hätte, dass es für mich nichts Sinnstiftenderes geben konnte, als Zugewanderten dabei zu helfen, in Deutschland ihre Potenziale entfalten zu können, würdest du heute nicht diesen Artikel lesen oder hören.


Die Anfänge von MI TRIBU

Angefangen hat die Geschichte von MI TRIBU nämlich, als ich während der langen Kitaeingewöhnungsphase viel Zeit mit verschiedenen Hispano-Mamas im Café neben der Kita verbracht habe. In den zahlreichen Gesprächen habe ich gemerkt, dass ich die Frauen mit meinen beruflichen und persönlichen Kompetenzen und Erfahrungen dabei gut unterstützen konnte, sich in deutschen Kommunikationssituationen sicherer zu fühlen. Eine von ihnen, die inzwischen zu einer guten Freundin geworden war, hat dann darauf bestanden, meine Hilfe zu formalisieren: sie wollte bezahlte Sitzungen bei mir nehmen. Sie meinte, sie würde sich verpflichteter fühlen und fleißiger sein, wenn sie dafür bezahlen würde. Außerdem würde ich sie ja für etwas sehr Wichtiges trainieren: nämlich mehr Sachen alleine auf Deutsch regeln, ohne dass ihr deutscher Mann immer mitkommen musste.


Mir wurde sehr schnell klar, dass die Deutschbücher aus ihrer Sprachschule und die typischen Übungen nicht sehr hilfreich dafür waren, ihr Ziel zu erreichen. Ich hatte großen Spaß daran, mir eigene Inhalte und Methoden zu überlegen, die meine Freundin effizienter dabei unterstützen könnten, sich in den für sie wichtigen Situationen auf Deutsch sicherer zu fühlen. Nach unseren ersten Sitzungen merkte ich, dass mein Ansatz zu funktionieren schien. Meine Freundin erzählte mir zum Beispiel stolz davon, wie sie es geschafft hatte, dem Kinderarzt auf Deutsch ihre Meinung zu erklären oder dass sie sich beim Telefonieren mit ihrer Schwiegermutter nicht mehr ganz so limitiert gefühlt hatte.


Ich war sehr glücklich, dass ich helfen konnte und dass ich außerdem eine inspirierende Frau zur Freundin gewonnen hatte. Außerdem hatte ich eine gute Zeit mit ihr zusammen und auch dabei, mir eine gute Unterstützungsstrategie für sie zu überlegen und passende Materialien dafür zu erstellen. Das fühlte sich für mich definitiv nicht nach Arbeit an!


Was bedeutet eigentlich Arbeit?

Denn Arbeit bedeutete bis dahin für mich, dass es Vorgaben von Außen gab, die ich erfüllen musste. Ich war vorher immer nur Angestellte gewesen und hatte das Glück, dass mir die meisten meiner Jobs großen Spaß gemacht haben. Aber selbst in meinem Lieblingsjob als Universitätsdozentin, in dem ich ziemlich viele Freiheiten hatte, gab es Vorgaben, die ich einhalten musste und die mich regelmäßig zum Verzweifeln gebracht haben.


Für mich passte das total in mein Bild von Arbeit: wenn man für etwas Geld bekommen wollte, dann musste sich das auch irgendwie nach Anstrengung anfühlen. Mir kam es irgendwie falsch vor, Geld für etwas zu bekommen, das mir einfach nur Spaß machte. Genauso falsch wie von Herzen zu Gutes tun und Geld dafür zu bekommen.


Minijob, teures Hobby oder “richtiger Job”?

Es sprach sich in der Spanisch sprachigen Community herum, dass ich helfen konnte, besser alleine mit den deutschen Alltagsherausforderungen zurechtzukommen und sich in Berlin wohler und angekommener zu fühlen. Also lernte ich noch mehr tolle und inspirierende Frauen kennen, entwickelte noch mehr Ideen und Materialien, um sie passgenau unterstützen zu können, bekam wunderschönes Feedback und hörte noch mehr berührende Erfolgsgeschichten von ihnen. Dass ich mittlerweile damit sogar fast einen Minijoblohn verdiente, war ein netter Nebeneffekt, fühlte sich aber weiterhin seltsam an.


Aber dann haben mein Mann und ich entschieden, dass unsere 54-Quadratmeterwohnung für uns vier einfach zu klein geworden war. Auf dem Berliner Wohnungsmarkt bedeutete das allerdings, dass wir für eine etwas größere Wohnung mit mindestens doppelt so hohen Mietkosten rechnen mussten. Mein Minijoblohn reichte da bei weitem nicht. Wir brauchten also mehr Geld und in meiner Welt bedeutete das automatisch, dass ich mir nun einen “richtigen Job” suchen musste.


Ich werde Unternehmerin!

Genau in dieser Zeit war eine Mexikanerin auf mich aufmerksam geworden und suchte meine Unterstützung. Schon nach ihrer ersten Sitzung war sie vollkommen überzeugt von mir und meiner Methode. Sie hat ein großes Potential darin gesehen und mir ein Business-Mentoring empfohlen, das aus öffentlichen Geldern gefördert wurde, mich also nichts kosten würde. Allerdings musste ich mich sofort bewerben, weil die Anmeldefrist am nächsten Tag ablief.


Ein eigenes Business gründen? Unternehmerin werden? Ich? Das passte doch gar nicht! Aber auf der anderen Seite fühlte ich diesen starken Wunsch, noch viel mehr Frauen helfen zu können. Und meine Arbeit nach meinen eigenen Regeln zu gestalten, war irgendwie eine verlockende Vorstellung. Aber ich konnte doch nicht ein richtiges Gehalt damit verdienen, anderen zu helfen! Und schon gar nicht mit dem Geld von Immigrant*innen, die selber nicht viel Geld hatten, weil sie gerade erst dabei waren, ihren Platz in Deutschland zu finden!


Aber andererseits wäre das Business-Mentoring für mich kostenlos. Kostenlose Sachen musste man doch ausnutzen! Ich musste ja “nur” meine Zeit investieren und wenn es mir nichts bringen würde, könnte ich mir ja immer noch einen “richtigen Job” suchen. Wahrscheinlich war es die perfekte Kombination aus der Angst, eine große Chance zu verpassen, meinem intensiven inneren Impuls und dem Mangel an konkreten Alternativen in diesem Moment. Also habe ich mich tatsächlich beworben und den Platz bekommen. Und das war nicht nur der Start von MI TRIBU, sondern auch mein erster Schritt auf dem Weg der Transformation meines Verhältnisses zum Geld!


Über Geld reden macht Sinn!

Auf diesem Weg habe ich nicht nur sehr viel über mich gelernt, sondern auch immer wieder festgestellt, dass ich nicht die einzige war, deren Entwicklung der finanziellen Kompetenzen auf dem Grundschulniveau hängengeblieben war. Es redete nur niemand von sich aus darüber. Aber ich habe festgestellt, dass es nicht nur guttut, über Geld zu reden, sondern dass man im Austausch mit anderen viel schneller vorankommt und gemeinsam wächst. Es fühlt sich wirklich gut an.


Aber nicht nur das. Finanzielle Unabhängigkeit können die meisten nur erreichen, wenn sie sich aktiv und sinnvoll mit dem Thema Geld auseinandersetzen. Und ein gewisser Grad an Unabhängigkeit ist einfach unabdingbar, um unbeschwert leben und seine Potenziale entfalten zu können. Außerdem können es sich angesichts der Rentenlücke (oder besser gesagt: “Rentenkluft”) selbst in einem reichen Land wie Deutschland nicht mal mehr Beamte leisten, davon auszugehen, dass es im Alter schon irgendwie reichen wird.


MI TRIBU redet über Geld

Deswegen möchte ich “Geld” zum Thema für MI TRIBU machen. Ich finde es wichtig und (im wahrsten Sinne des Wortes!) bereichernd, die Scham und Tabus zu durchbrechen, wegen derer viele nicht gerne über Geld sprechen. Denn wenn man erst einmal den ersten Schritt gemacht hat, dann macht es wirklich richtig Spaß! Man lernt dabei viel über sich selbst und von anderen, sodass man sich automatisch weiterentwickelt. Und quasi nebenbei erweitern sich die deutsche Sprachkompetenz und das interkulturelle Wissen.


Ich möchte euch hier in nächster Zeit verschiedene Bücher und Tools vorstellen, die mir auf meinem Weg zu mehr finanzieller Handlungskompetenz sehr geholfen haben. Und im nächsten Buchclub werden wir eins meiner Lieblingsbücher für den Einstieg in das Thema behandeln.


Lass mich gerne wissen, was du über das Thema Geld denkst. Lass uns Geld zum Thema machen!

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